Mi Ma Deutschlandtour 2021

 

Der Rundkurs durch 16 Bundesländer ist hauptsächlich auf wasserbegleitenden Rad- und Fernradwegen geplant. Hauptgründe für unseren Radelurlaub sind neben Freude daran, gesundheitliche Aspekte und natürlich fit für weitere Abenteuer zu sein. Am Wegesrand hoffen wir zahlreiche UNESCO-Weltkulturerbestätten entdecken zu können.


01 Casa - Lauenburg

260 Km, 299 Hm, 6 Tage

BE, BB, ST, NI, MV, SH

Nach ausgiebigen Vorbereitungen sind wir glücklich, diese Reise jetzt starten zu können. Glücklich weil die Sonne scheint, doppelt geimpft und wir uns radelnd ins Abenteuer begeben werden.

Schreck am Morgen, Plattfuß am Hinterrad. Nach flinkem Schlauchwechsel erreichten wir noch unseren Zug am Bhf Charlottenburg. Die RB14 bringt uns nach Nauen, bei 20°C und Rückenwind geht es los.

Die Radrouten „Krumme Pauline“, eine stillgelegte Bahntrasse, der Havelland-Radweg, Havel-Radweg sowie der Elbe-Radweg führen uns durch Rathenow, Hansestadt Havelberg, Wittenberge, Dömitz bis Lauenburg/Elbe.

In Ribbeck freuen wir uns über den Bezug unserer Reise, 16 Birnenbäume gepflanzt von 16 Bundesländern (s. Foto).

Unsere Blicke genießen die gerade aufblühende Landschaft und entdecken schließlich das Hinweisschild auf das UNESCO-Biosphärenreservat Mittelelbe. Wir durchqueren es von Brandenburg über Niedersachsen bis Mecklenburg-Vorpommern. Drei Tage Deich und der Kopf wird weich…

Außerdem: Wer hätte gedacht, dass es mehr als 7 Hansestädte in Deutschland gibt? Genau, mind. 27! Beispielsweise Hansestadt Havelberg.

Bei immer noch sonnigem Wetter erreichen wir auf diesem Weg 3 Dreiländerecke (nicht Ecken!) s. Fotos. Inzwschen freuen wir uns auf ersehnte Pausentage in Lauenburg, deren Altstadt ungeahnte historische Fachwerkhäuser aufweist.



Extratour

57 Km, 125 Hm, 1 Tag

Heute fahren wir nach Hamburg und erreichen somit das siebente Bundesland. Der Elbe-Radweg und die Bahntrasse der Hamburger Marschbahn führt uns ins Stadtzentrum. 
Fotostopp am UNESCO-Welterbe "Speicherstadt".
Unseren Hunger stillen wir in der "Alten Flöte", einem portugiesischen Restaurant. Mit vollem Bauch lassen wir uns von den Öffis nach Lauenburg zurück bringen.

SH, HH


02 Lauenburg - Kiel

193 Km, 718 Hm, 5 Tage

SH

Gut erholt, nach einigen Tagen Pause, steuern wir Mölln an. Till Eulenspiegel, der Schalk aus dem 14 Jh., sitzt als kecke Bronzefigur auf einem Brunnen. Innehalten mit Fotoshooting. Weiter geht es am Elbe-Lübeck-Kanal (auch „Alte Salzstrasse“ genannt) in die Hansestadt Lübeck. Dort empfängt uns das gigantische Holstentor mit seiner Lübecker Altstadtinsel, UNESCO-Welterbestätte. Wir setzen unseren Weg zum Timmendorfer Strand fort, Ostsee gucken.
In Richtung Eutin spürt man durch ständige Auf und Ab das Profil der Holsteinischen Schweiz in den Beinen.
Die Schwentine ist nun richtungsgebend nach Preetz, der Schusterstadt. Gerührt davon, dass es im 19. Jh. einst 160 Schuhmachermeister gab und jetzt keinen mehr, radeln wir weiter nach Kiel auf der Radroute „Schusteracht Nordschleife“.
Inzwischen stellt sich ein gewisser Stress ein. Neben all den wunderschönen Dingen, die wir erleben, ist leider für Einiges zu wenig Raum: Fotos, Texte, Buchführung, Hotelbewertung, social media und ausgiebiges Füsse hoch!! Mangelndes WiFi erschwert dies, aber wir üben noch.
In Kiel ankommen heißt jedenfalls, wir haben den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Danach geht es Richtung Südpol.


03 Kiel - Bremervörde

211 Km, 279 Hm, 8 Tage

SH,NI

Ganze zwei Tage lang radeln wir auf dem Spurplattenweg direkt am NOK (Nord-Ostsee-Kanal). Angelegt als  Wasserbewirtschaftungsweg, der auch für Radfahrer nutzbar ist (mit Rüttelfeeling)! Er ist beidseitig befahrbar und mit zahlreichen Querungsmöglichkeiten (Fähren, Brücken, Tunnel), alle kostenfrei. Danach schätzen wir wieder eine normale glatte Strasse ;-)

Unterwegs passieren wir Rendsburg, deren Schwebefähre leider noch nicht wieder in Betrieb ist. Dafür entdecken wir aber die längste Bank der Welt.

In Brunsbüttel sind einige Tage Pause vorgesehen: Sektfrühstück zum Geburtstag mit sauberer Wäsche und Rädern sowie einen beeindruckenden Ausflug zum Weltnaturerbe Wattenmeer. Ausgiebige Erholung ist nötig. Die nächsten Etappen sind zu planen, Dokumentation zu erstellen, deren Dauer immer noch zu lang ist, selbst wenn das WLAN funktioniert.

In Glücksstadt wechseln wir mit der Elbfähre  nach Niedersachsen. Der Mönchs-Radweg bringt einen zur Themenroute „Deutsche Fährstrasse“. In Oste/Hemmoor setzen wir mit der ältesten (1905) Schwebefähre Deutschlands über. Es gibt weltweit nur 8 erhaltene Schwebefähren, die den UNESCO-Weltkulturerbe-Status erlangen wollen.  

Zu guter Letzt führt unsere Fahrt – mit viel Speed – nach Gnarrenburg. Dort beginnt gerade Heute die Saison der Torfkahnfahrten, an der wir teilnehmen.
Torfkähne sind schwarze Eichenholzboote; etwa 9,6m lang, sogenannte Halb-Hunt-Kähne (ein halbes Hunt entspricht 50 Körbe Torf). Sie wurden entweder gesegelt, gestakst oder getreidelt.
So endet für uns ganz gemütlich dieser Abschnitt. 


04 Bremervörde - Hannover

203 Km, 375 Hm, 5 Tage

NI, HB

In dem neuen Abschnitt verläuft unsere Reise u.a. durch das Teufelsmoor. Sie ist für uns die bisher wohl schönste Strecke, weil: Oste-Deich, glatter Straßenbelag, abwechslungsreiche Landschaft und grandioses Wetterglück. Die Künstlerstadt Worpswede lädt zum Zwischenstopp ein.
Vom Trubel der Hansestadt Bremen überwältigt, treffen wir auf das UNESCO-Weltkulturerbe Rathaus und der Roland-Statue, die Freiheit und Marktrecht der Stadt symbolisiereren. Nicht zu vergessen sind die Grimmschen Bremer Stadtmusikanten, die wunderbar dazu passen (…). Hinter dem Marktplatz haben wir erstmalig Bekanntschaft mit abschließbaren Fahrradboxen gemacht. 1,- €/Tag, super! Es ist übrigens das kleinste Bundesland Deutschlands.
Johanni in Nienburg. Zum Ende der Spargelsaison passt wunderbar der Besuch des Spargelmuseums, Fotoshooting am Spargelbrunnen und am Abend natürlich…!
Auf der Strecke der Kulturroute wechseln wir von der Weser zur Leine. Unterwegs gibt es eine Schifffahrt übes Meer, Mardorf - Steinhude.
Kurz vor Hannover erreichen wir unsere 1.000 km Marke (leider mit einer Sehnenscheidentzündung, die hoffentlich bald verschwindet). Nun können wir den erfolgreichen Abschnitt in einem 4-Sterne Hotel und beim portugiesischen Abendessen feiern.


05 Hannover - Bad Karlshafen

250 Km, 1194 Hm, 13 Tage

NI, NW, HE

Seit Hannover sind unsere Unpässlichkeiten vorbei, es ist sonnig und warm.

So genießen wir den Radweg am Maschsee, entlang der Leine und fahren schließlich auf der Kulturroute. Wir passieren den "Kalimandscharo" in Sarstedt. Am Innerste-Radweg geht es zum UNECO-Welterbe in Hildesheim: Mariendom mit dem 1.000-jährigen Rosenstock sowie der St. Michaelis Kirche, wo man überraschend eine Orgelprobe miterleben kann. Toll!

Wir freuen uns auf den Besuch beim Exkollegen Micha mit Ulrike. Dort werden wir verwöhnt, gepäppelt und haben ausgesprochen nette Zeit zusammen. Es gibt „WLAN satt“, daher Planung nächster Etappen. Sogar eine „Verlängerung“ haben wir bekommen, sonst wären wir wohl regenmäßig abgesoffen.

Kunst und Skulpturen begleiten uns auf der Lammetal-Bahntrasse nach Bad Gandersheim. Dort findet man heute noch beeindruckendes Fachwerk aus dem 15.Jhd.

Zwischenzeitlich haben wir die Aufgabe, Grundrisse für eine neue Wohnung auszuwählen (…). Danke Frau R :-)

Schließlich in Einbeck gelandet, steht Kultur an: Einbecker Blaudruck ist immatrielles Welterbe sowie das hochinteressante Stadtmuseum.

Ein extra Ausflug geht zum UNESCO -Welterbe Fagus-Werk. Es ist ein Erstlingswerk in der Industriemoderne, in dem sogar noch heute Schuhleisten hergestellt werden. Es ist so besonders, weil erstmals in Geschichte Bedürfnisse nach Licht, Luft und Klarheit berücksichtigt wurden.

Bevor es zur nächsten FeWo geht, kommen wir am Karolingischen Westwerk / Civitas Corvey bei Höxter vorbei. Eine bedeutende Klosteranlage aus dem Mittelalter, die ebenfalls UNESCO-Welterbe erlange.

In Bad Karlshafen angekommen, stellen wir fest, dass kaum Zeit zum Radfahren bleibt. Daher macht es auch nichts, wenn wir erst einmal die Wesertherme genießen!

Bevor der Weg fortgesetzt wird, geht es noch im Regen zum historischen Dreiländereck. Dort trafen sich einst die Reichstände Landgrafschaft Hessen, Hochstift Paderborn und Kurfürstentum Hannover.


06 Bad Karlshafen – Hatzfeld

232 km, 1.669 Hm, 6 Tage

HE, NW

Ab jetzt geht es der Diemel entlang von der Mündung zur Quelle ins Rothaargebirge im Hochsauerlandkreis. Ein Teil des Diemelradweges ist die stillgelegte Bahntrasse, der ehemaligen Carlsbahn mit dem 200 Meter langen Carlsbahn - Tunnel, der älteste Eisenbahntunnel Hessens. In fast kitschig schöner Landschaft gönnen wir uns einen Abstecher zum Rapunzelturm in Trendelburg und müssen dafür eine 15%-ige Steigung überwinden.

Ìnzwischen regnet es leider bedeutend öfter, und die Landschaft wechselt ins stark Hügelige. Mit dem Tagesziel erreichen wir außerdem unseren höchsten Punkt der Reise, >650 Meter.

Dennoch duftet es am Wegesrand nach frisch geschnittenem Holz, rechts und links sind inzwischen Blau- und Walderdbeeren reif. Die sieht man aber nur, wenn man langsam genug fährt oder eben schiebt.

Wegen des Regens sowie der Strapazen der Anstiege kommen wir kaum noch auf die Räder. Längere Pausen müssen wirklich bald her!

Ab Korbach, einer Hansestadt beginnt der Ederseebahn Radweg. Er ist, genauso wie der Diemelradweg, eine überwiegend asphaltierte Bahntrasse. Sie zeichnen sich durch geringe stetige Steigungen von ca. 2 % aus (max 4 %). Ein Kleinod ist die Reiherbachtalbrücke, ein siebenbogiges Viadukt aus Naturstein. Leider sieht man nicht viel, lässt sich jedoch wunderbar befahren.

Die wohlersehnte Pause verbringen wir in Eder. Am besten entspannen sich die Muskeln bei einer Dampferfahrt auf dem Ederstausee. Die Staumauer mit ihren 400 m Länge ist wohl eine der größten Europas. Aha, gigantisch.

Bei der Weiterfahrt streifen wir noch den Nationalpark Kellerwald-Edersee, UNESCO-Weltnaturerbe, am nördlichen Rand. Welch würdevoller Abschluss für diesen Abschnitt.


07 Hatzfeld – Bad Kreuznach

272 km (davon 83 km DB), 1.500 Hm, 7 Tage

HE, RP

Dieser Abschnitt beginnt muskelmüde, kleine Hügel schmerzen, es geht nur langsam voran.
Hauptsächlich fahren wir über stillgelegte Bahntrassen, beginnend mit der „Obere Edertalbahn“. Es folgt die Westerwaldquerbahntrasse, die uns leitet und ehemals der Erschließung der Region diente. Wir wechseln auf die Kerkerbachtalbahn. Sie transportierte u.a. Ton, Kohle, Basalt, Marmor. Wir entdecken Zugänge zu früheren Bergbaustollen, die hier einst bewirtschaftet wurden. Schließlich gelangt man zum Lahntalradweg, einem ehemaligen Treidelpfad, ausgesprochen schön!
Immer wieder treffen wir auf Themenradwege, z.B.: „GeoRadroute Ruhr-Eder“, sie führt durch abwechslungsreiche Landschaften der Mittelgebirgsregionen. Sowie die „Montanroute“, die die Bergbaugeschichte des Lahn-Dill-Gebietes erzählt.
Derzeitige Erkenntnis: Eine Steigung von 9 – 10% lässt sich für uns noch fahren, ggf. auch 12%. 16% sind auch zum Schieben sehr anstrengend. Nach langem Bergauf, geht es auch bergab. Geschwindigkeit, max. 53 km/h bzw. 56 km/h. Juppi
Von aufkommendem Unwetter ist zu hören. Auf der Route nach Koblenz sind die Ausläufer des Unwetters auch auf unseren Radwegen sichtbar.

Aus "Castellum apud Confluentes" lateinisch für "das Kastell bei den Zusammenfließenden" wurde Koblenz.
In Koblenz versuchen wir die Hochwasserlage einzuschätzen: Tourist-Info, div. Telefonate mit Ortschaften am Rheinufer.
Fazit: von Koblenz nach Bad Kreuznach überwinden wir die überfluteten Wege mit der Bahn (ca. 83 km). Das Obere Mittelrheintal, welches zum UNECO-Welterbe gehört, können so ganz entspannt betrachten werden.